… was sagt ihr zum Islam?

Wer diese Frage stellt, vertritt möglicherweise eine der folgenden drei Grundhaltungen:

1. Offensive Anhänger/innen des Islam werden insgeheim nach beleidigenden Passagen suchen. Das dient der Selbstbestätigung: Vor allem junge Männer mit türkischen und arabischen Wurzeln sehen wenig Chancen in dieser Gesellschaft etwas darzustellen und suchen im Islam eine Identität. Entsprechend groß ist die Empörung über jede Kritik und die Angst vor jedem Zweifel. – Kann man von diesen Menschen wirklich Offenheit und Toleranz erwarten? … Man könnte es ja mal damit versuchen! Immerhin haben z.B. asiatische Migranten dieses Problem so nicht.

2. Manche besonders konservative Christen hegen für den islamischen Fundamentalismus eine heimliche Bewunderung. Sie suchen daher nach Anzeichen von „Feigheit gegenüber dem Feind“, um diese dann höhnisch zu kommentieren („Geht doch mal in den Iran!“) – und sich aus diesem Triumph heraus einen stärkeren Christlichen Fundamentalismus herbeizusehnen.

3. Andere stehen dem Islam kritisch gegenüber und suchen Argumente, Bestätigung und Gleichgesinnte in dieser Haltung. Diese Gruppe hat in den letzten Jahren stetigen Zulauf – seit sich abzeichnet, dass der Islam sich weltweit radikalisiert (Islamismus, Fundamentalismus) und dass sich in Europa muslimische Parallelgesellschaften bilden, die mit den Werten der Aufklärung nichts am Hut haben. Leider vermischt sich diese Islamkritik nicht selten mit blankem Fremdenhass, der sich gegen die Menschen statt gegen Ideologien richtet, und sich nun freut, endlich ein salonfähiges Argument gefunden zu haben.

Dies alles sagt schon viel darüber aus, wie der Islam gesehen wird. Doch wie alle großen Religionen ist der Islam vielschichtig und bietet Raum für alle möglichen Richtungen und Auslegungen. Aus dem Koran kann man die verschiedensten Dinge herauslesen und die Gelehrten tun dies auch.

Vieles von dem, was wir über das Christentum und alle möglichen Götter geschrieben haben, gilt natürlich ebenso für den Islam und Allah (dem arabischen Wort für „Gott“). Doch halten wir einmal fest, wie sich speziell der Islam aus aufklärerischer Sicht charakterisieren lässt:

Militant oder tolerant?

Der Islam gilt vielen heute als besonders intolerante Religion und manche Muslime sind stolz darauf. Ihren heiligen Schriften nach nehmen sich Christentum und Islam in diesem Punkt aber nichts – beide gehen z.B. wenig zimperlich mit Ungläubigen um, beide widersprechen sich allerdings darin auch stellenweise selbst*.

Der Unterschied liegt in der praktischen Auslegung:
Als Resultat der historischen Erfahrungen mit Religion und Totalitarismus gibt es eine (heute durchaus breitenwirksame) westliche Kultur des Zweifels: Die Erziehung zu Kritik- und Selbstkritikfähigkeit, Medienkompetenz, Minderheitenschutz usw. Nach muslimischer Anschauung hat dies den Beigeschmack von Schwäche. Stattdessen wird dem Anspruch des Koran, widerspruchsfrei und „ohne Zweifel“ zu sein, stärker Glauben geschenkt und das Denkverbot der islamischen Gelehrten akzeptiert, dass nur ihnen die Auslegung obliegt. Dass Sunniten, Schiiten und Aleviten denselben Koran verschieden lesen, tut diesem Glauben keinen Abbruch – man fühlt sich ja jeweils auf „richtigen“ Seite.

Die Strategie, Religion durch (diesseitige und jenseitige) Strafandrohung gegen Kritik zu immunisieren trägt im heutigen Islam höchste Blüten. Religiosität wird als verbindlicher Standard im gesamten gesellschaftlichen Leben akzeptiert; wer gegen Regeln verstößt wird oft drakonisch bestraft, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Umfeld. Selbst die Menschenrechte werden nur mit der entscheidenden Einschränkung akzeptiert, dass die Scharia das letzte Wort hat und der Islam die wahre Religion ist.

Zeitgemäß oder rückschrittlich?

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Gottlosglücklich

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